Dollar am Morgen Märkte

Nicht mehr als ein Waffenstillstand

von Joachim Goldberg am 14. Oktober 2019

EUR USD (1,1030)             US-Präsident Donald Trump sprach von einer „substanziellen Phase 1“ eines Teilabkommens zur Beilegung des Handelsstreits, auf das sich die USA und China mündlich am Freitag geeinigt haben. Allerdings muss das Teilabkommen, das eigentlich nicht mehr als ein Waffenstillstand im Handelskrieg darstellt, in den kommenden Wochen noch in Schriftform gegossen werden. Und aus bitterer Erfahrung wissen wir: Bis dahin kann viel passieren. So gesehen dürfte der Fondsmanager Jeffrey Gundlach Recht haben, wenn er den „Deal“ eher als kosmetisch denn reell bezeichnete.

 

Relativer Misserfolg?

Und wenn man Donald Trump an seinen eigenen Maßstäben misst, der noch vor ein paar Wochen nur ein umfassendes Abkommen als einzig mögliche Lösung im Handelskonflikt sah, könnte man sogar von einem relativen Misserfolg des US-Präsidenten sprechen. Aber das wäre irgendwie unfair. Denn selbst die größten Optimisten an den Finanzmärkten hatten nicht mit einem großen Durchbruch bei den Verhandlungen gerechnet. Tatsächlich benötigte Trump wahrscheinlich nicht viel mehr als diesen Waffenstillstand, um von großen Verhandlungserfolgen sprechen zu können. Für einen großen Durchbruch wäre es in Anbetracht der erst in mehr als einem Jahr stattfindenden US-Wahlen ohnehin noch viel zu früh gewesen. Weil die US-Wähler bis dahin diesen Erfolg für Trump womöglich schon längst vergessen hätten.

 

Nur Verzicht auf Verschlechterung des Status quo

Nun verzichten die USA lediglich darauf, die bereits bestehenden Strafzölle auf China-Importe im Volumen von 250 Milliarden USD am 15. Oktober nicht von 25 auf 30 Prozent zu erhöhen. Von den bestehenden Strafzöllen, die seit Beginn des Handelskriegs Anfang 2018 in Kraft traten – dazu gehören Zölle in Höhe von 15 Prozent auf Waren im Volumen von 110 Mrd. USD, die seit September erhoben werden –, ist indes kein einziger beseitigt worden. Auch von einer Streichung oder Verschiebung der für den 15. Dezember vorgesehenen Strafzölle auf bestimmte chinesische Konsumgüter war keine Rede.

Indes: Auch die chinesischen Konzessionen kann man nicht gerade als großzügig bezeichnen. Peking stimmte zwar zusätzlichen Käufen von Agrarprodukten, insbesondere Sojabohnen und Schweinefleisch in einem jährlichen Wert zwischen 40 und 50 Milliarden USD zu – das entspricht immerhin mehr als einer Verdoppelung der bisherigen Ankäufe. Darüber hinaus gab es nur Absichtserklärungen Chinas, unter anderem zu einer stärkeren Marktöffnung und mehr Transparenz der Währungspolitik. Was diese tatsächlich wert sind, wird sich allerdings erst noch zeigen müssen, wenn es in den kommenden Wochen ins Detail geht.

 

US-Verbrauchertrauen optimal

Die US-Aktienmärkte, die am Freitag zunächst noch ausgesprochen positiv reagiert hatten, scheinen am Ende der Woche dann doch enttäuscht gewesen zu sein. Denn vom anfänglichen Tagesgewinn von rund 1 Prozent blieben am Ende, gemessen am breitgestreuten S&P 500 Index, fast nichts mehr übrig. Dies ist umso bemerkenswerter, als das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan in der vorläufigen Version für den Oktober mit einen Wert von 96,0 publiziert wurde und somit selbst die optimistischen Prognosen der Ökonomen und auch den Vormonatswert (93,2) übertrafen. Ganz nebenbei bemerkt: Der Bericht zum Verbrauchervertrauen enthielt auch die langfristigen Inflationserwartungen, die im Oktober mit 2,2 Prozent auf den niedrigsten Stand der seit 1979 bestehenden Aufzeichnungen fiel.

Unterdessen hat der Euro seinen kurzfristigen Aufwärtstrend erwartungsgemäß beendet und hält sich in seiner stabilen Position (mit Potenzial bis 1,1085/90, darüber auch bis 1,1240), solange er sich oberhalb von 1,0975 bewegt.

 

 

Hinweis

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 10 Stellen.

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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