Dollar am Morgen Märkte

Nur Wunderkerzen statt Feuerwerk?

von Joachim Goldberg am 11. September 2019

EUR USD (1,1055)             Vor noch nicht allzu langer Zeit schienen viele Finanzmarktakteure damit zu rechnen, dass EZB-Präsident Mario Draghi bei der kommenden vorletzten Ratssitzung vor dem Ende seiner Amtszeit noch einmal eine Art geldpolitisches Abschiedsfeuerwerk veranstalten würde. Nun aber mehren sich die Zeichen, dass am geldpolitischen Himmel keine Raketen explodieren und bunt aufleuchtend verglühen werden. Denn schenkt man einem Artikel der gestrigen Ausgabe des Wall Street Journal Glauben, kritisieren die Falken im EZB-Rat vor allem, dass es für eine baldige Neuaufnahme der Anleihekäufe zu früh sei. Ihrer Meinung nach ist die Wirtschaft der Eurozone nicht schwach genug, um derart aggressive Maßnahmen zu rechtfertigen. Aber auch eine weitere Senkung des Einlagenzinssatzes von derzeit -0,4 Prozent würde wenig bringen, so die Meinung der Draghi-Kritiker. Überdies wären Draghis Nachfolgerin, Christine Lagarde, mit der Verabschiedung eines großen geldpolitischen Lockerungsprogramms bei der kommenden Sitzung am Donnerstag die Hände insofern gebunden, als der Zentralbank bei einer weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation nur noch wenig Munition zu deren Bekämpfung zur Verfügung stünde.

 

Mehr Falken im EZB-Rat?

Nun ist es interessant, dass das Wall Street Journal mit François Villeroy de Galhau, dem Chef der französischen Notenbank, sowie Jürgen Stark, dem ehemaligen Chefökonomen der EZB (von 2006 bis 2012) , ausgerechnet zwei prominente Zeugen für die angeblich zunehmend falkenhafte Stimmung im EZB-Rat aufführt, die bei der kommenden Ratssitzung gar keine Stimme haben werden. Stark ist als heftiger Kritiker der geldpolitischen Linie der EZB bekannt, aber Villeroy de Galhau muss nur im September turnusgemäß aufgrund der Rotation der Stimmrechte im Rat aussetzen. Auch wenn der Zeitungskommentar durchaus seine Berechtigung haben mag, käme es den USA, insbesondere deren Präsidenten Donald Trump, durchaus gelegen, wenn Mario Draghi statt eines Feuerwerks nur ein paar geldpolitische Wunderkerzen abbrennen würde.

 

Gegensätzliche Signale

Sehr gemischt waren die Nachrichten, die gestern zum Fortgang im US-chinesischen Handelskonflikt publik wurden. Zum einen meldete sich der Herausgeber der chinesischen Global Times, Hu Xijin, spürbar erzürnt via Twitter zu Wort, nachdem der für Handel zuständige Staatssekretär des US-Landwirtschaftsministeriums Chinas Staatschef Xi Jinping einem Medienbericht zufolge in einer Rede als „kommunistischen Zeloten“ bezeichnet hatte, was als Beleidigung aufgefasst wurde. China habe sich bisher sehr zurückhaltend im Handelskrieg verhalten, so Hu Xijin, der als wichtiges Sprachrohr der chinesischen Regierung gilt. Aber innerhalb der US-Administration gebe es glühende Rassisten und Imperialisten, die den Weltfrieden gefährdeten. Umso bemerkenswerter war ein Medienbericht zum Ende der gestrigen europäischen Handelssitzung, wonach sich ungenannten Quellen zufolge China und die USA insofern nähergekommen seien, als Vertreter beider Seiten bereits einen Vertragstext für ein Handelsabkommen diskutieren würden.

All dies blieb allerdings ohne sichtbaren Einfluss auf den Euro, der weiterhin stagniert und sich immer noch innerhalb seines kurzfristigen Abwärtstrends (1,1130 bis 1,0885/90) im Korrekturmodus befindet. Letzterer wäre wie gehabt mit Unterlaufen von 1,0985 beendet.

 

Hinweis

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 10 Stellen.

 

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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