Dollar am Morgen Märkte

Ihr Auftritt, Mr. Powell, äh, Mr. Trump!

von Joachim Goldberg am 26. August 2019

EUR USD (1,1145)             Die Eskalation im US-chinesischen Handelskrieg hatte die öffentliche Aufmerksamkeit von dem Symposium in Jackson Hole vorübergehend abgelenkt. Denn noch bevor die vielerorts mit Spannung erwartete Rede von Fed-Chef Jerome Powell am Freitag begann, hatte China seine Vergeltungsandrohung konkretisiert und weitere Importe von US-Gütern im Volumen von 75 Mrd. USD mit neuen Strafzöllen per 1. September und 15. Dezember belegt.

Nun hat Jerome Powell bei seiner Rede in Jackson Hole eigentlich das Beste getan, was er hätte machen können. Er signalisierte, dass die Fed gewillt sei, wenn notwendig, die Zinsen weiter zu senken, um das Wachstum zu gewährleisten. In diesem Zusammenhang wurde von den Finanzmarktakteuren sicherlich goutiert, dass Powell in seiner Rede einen Begriff nicht verwendete: „mid-cycle adustment“. Ein Wording, das bis zuletzt noch für eine zurückhaltende Zinssenkungspolitik der Fed stand. Und dessen Fehlen wurde im Umkehrschluss als Indiz für weitere Zinsschritte gewertet. Aber nur, sofern die ökonomische Datenlage es rechtfertigen würde.

 

Powell (tritt auf, ruhig und bestimmt)

Dass es für die Datenlage offenbar breiten Interpretationsspielraum gibt, zeigen die Kommentare diverser Mitglieder des Offenmarktausschusses der Fed, die sich am vergangenen Donnerstag und Freitag zu Wort meldeten. Denn Eric Rosengren (Boston Fed), Esther George (Kansas City), Patrick Harker (Philadelphia) Robert Kaplan (Dallas) und Loretta Mester (Cleveland) sprachen sich alle mehr oder weniger deutlich gegen eine weitere Lockerung der Geldpolitik aus. Weil sie die derzeitige ökonomische Situation in den USA für robust halten. Auf der anderen Seite steht etwa der als extreme Zinstaube weithin bekannte James Bullard (St. Louis), der für die kommende Sitzung des Offenmarktausschusses im September eine lebhafte Debatte darüber erwartet, ob man die Zinsen nicht sogar um 50 Basispunkte senken müsse.

Von all dem abgesehen, gab Powell seinen Zuhörern eine Botschaft mit auf den Weg: Viel sei es nicht, was die Fed derzeit richtig machen könne, um zu helfen. Ein Statement, das mancherorts fast wie eine Kapitulation interpretiert wurde. Aber diese Sichtweise wäre zu einfach. Denn Powell ließ damit durchblicken, dass die Fed angesichts der Handelspolitik des Weißen Hauses, durch die Unternehmen und Märkte nervös gemacht würden, nicht allzu viel ausrichten könne. Es gibt eben kein Drehbuch für Trumps Handelskrieg.

 

Trump (tritt auf, wütend)

Und Trumps Reaktion auf Twitter ließ auch nicht allzu lange auf sich warten. Wieder einmal habe die Fed NICHTS getan, wetterte der US Präsident. Bösartige Stimmen könnten dabei durchaus die Frage stellen, ob Donald Trump das Symposium in Jackson Hole mit einer Sitzung des Offenmarktausschusses verwechselt habe. Denn geldpolitische Entscheidungen stehen naturgemäß nur bei letzterer auf der Agenda. Auf keinen Fall kann man allerdings Trumps Reaktion auf Powells Rede in Form einer rhetorischen Frage positiv bewerten: Ob der Fed-Chefs oder Chinas Staatspräsident Xi der größere Feind der USA sei.

Immerhin konnte sich Donald Trump bis zum Börsenschluss am Freitag mit weiteren Wutausbrüchen offenbar gerade noch zurückhalten. Denn danach wurde klar: Die US-Regierung wird die bereits eingeführten und angekündigten Strafzölle auf China-Importe als Replik auf die chinesischen Vergeltungsmaßnahmen von Freitagvormittag durchweg um jeweils 5 Prozent Punkte erhöhen. Kurzum, eine Annäherung im Handelskonflikt sieht anders aus. Aber bereits vor der Ankündigung Trumps hatten die US-Aktienmärkte deutlich reagiert. Allein der breitgestreute S&P 500 zeitigte einen Tagesverlust von 2,2 Prozent.

 

Die Abschaffung des Dollar als Leitwährung

Aber auch noch eine andere wichtige Rede in Jackson Hole gab es zur Kenntnis zu nehmen. Und zwar diejenige des einflussreichen Chefs der Bank of England, Mark Carney. Dieser zählte nämlich die Probleme auf, die durch einen übermächtigen US-Dollar für die globale Wirtschaft entstehen könnten. Zumal die USA-Ökonomie nur 10 Prozent des Welthandels und 15 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts, aber die Hälfte der Handelsrechnungen und zwei Drittel der globalen Wertpapieremissionen ausmache. Nicht zuletzt deswegen sprach sich Carney für die Schaffung eines neuen globalen Finanzsystems durch den IWF aus, um den Dollar [als Leitwährung] zu ersetzen. Letztlich dürfte Carney damit gemeint haben, dass die Dominanz des Greenback im Welthandel und die von den USA ausgehenden derzeitigen Schocks gleichermaßen gedämpft werden sollten.

Allerdings ist der Dollar am Freitag vermutlich nicht deswegen so deutlich gefallen. Schon vorher hatte sich angebahnt, dass auch der Euro gegenüber der US-Valuta nicht länger so richtig unter Druck geraten sollte. Und so ist es auch kein Wunder, dass sich die Gemeinschaftswährung mit Überschreiten von 1,1140 zum Wochenschluss stabilisierte und auf einen Schlag die kleinen Kursverluste der vorangegangenen fünf Handelstage wettmachen konnte. Damit hat sich an der übergeordneten seitwärts gerichteten Entwicklung des Euro nichts verändert. Während wir deren Grenzen zwischen 1,1010 und 1,1355 verorten, bleibt die Gemeinschaftswährung oberhalb von 1,1075 stabil.

 

Hinweis

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 10 Stellen.

 

Aus organisatorischen Gründen gibt es morgen keinen ausführlichen Devisenbericht, sondern nur ein Kurs-Update.

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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