Dollar am Morgen Märkte

Kein echtes Interesse an einer Einigung

von Joachim Goldberg am 18. Juli 2019

EUR USD (1,1240)             Eigentlich will man doch miteinander sprechen. Die Rede ist von den USA und China und ihrem Handelskonflikt. Ja, Gespräche sind geplant, aber womöglich doch nicht ernsthaft. Denn obwohl Washington und Peking nach dem vereinbarten Waffenstillstand im Handelskonflikt die Verhandlungen über ein Abkommen wieder aufnehmen wollten, war es US-Präsident Donald Trump, der am Dienstag erneut durchblicken ließ, dass die beiden größten Volkswirtschaften der Welt noch einen langen Weg zu gehen hätten. Und plötzlich waren sie wieder da, die Erwägungen, dass die USA durchaus weitere Strafzölle auf chinesische Güter erheben könnten. Zumindest deutete US-Präsident Donald Trump an, er könne dies tun, wenn er wolle.

Die Zeit sei möglicherweise noch nicht reif für einen Deal, wurde gestern schließlich etwa die Investmentbank Morgan Stanley zitiert. Denn sowohl die ökonomischen Daten der USA als auch Chinas, wie etwa jüngst beider gute Einzelhandelsumsatzzahlen, ließen die Verhandlungspartner glauben, dass sie jeweils keinen Anlass sähen, bei ihrer Verhandlungsposition nachzugeben, so das Statement. Fast konnte man den Eindruck gewinnen, dass die Börsen erst einmal wieder massiv nachgeben müssten, bevor man – wie etwa im vergangenen Dezember geschehen – erneut aufeinander zugehen wird.

 

Kompromiss käme für Trump viel zu früh

Aber es gibt noch eine psychologische Komponente, die einen schnellen Kompromiss zwischen den USA und China unwahrscheinlich macht: Die US-Präsidentschaftswahlen, die im November 2020 abgehalten werden. Man stelle sich nur einmal vor, was geschehen würde, wenn die USA und China bereits Ende dieses Jahres (oder früher) miteinander handelseinig würden. Ein solcher Erfolg käme zumindest für US-Präsident Trump ganz einfach zu früh. Die US-Börsen würden, möglicherweise nachdem die US-Notenbank bis dahin den Leitzins bereits dreimal um 25 Basispunkte gesenkt hätte, vermutlich noch einmal zu Hochform auflaufen. Aber was dann?

Selbst wenn die Aktienindices rein hypothetisch ein hohes Niveau etwa im Rahmen einer Konsolidierung beibehielten, würden die Gewöhnungseffekte an den US-chinesischen Deal dafür sorgen, dass Donald Trumps Erfolg nach einigen Monaten verpufft wäre. Und wenn dann die US-Aktienmärkte infolge von Gewinnmitnahmen womöglich im September des kommenden Jahres massiv in die Knie gehen würden, weil die Fantasie für weiter steigende Kurse ganz einfach ausbliebe, wäre aufgrund der dann leicht verfügbaren negativen Nachrichten eine Wiederwahl Donald Trumps gefährdet. Käme ein Deal zwischen den USA und China indes erst Mitte kommenden Jahres zustande, hätte der US-Präsident – allein aus dieser Sicht – viel bessere Karten, wiedergewählt zu werden.

 

Sommerschlaf

Was das gestrige Tagesgeschäft angeht, gibt es indes wenig zu berichten. Möglicherweise hätte der Bericht des IWF, wonach der US-Dollar, gemessen an den kurzfristigen ökonomischen „Fundamentals“, 6 bis 12 Prozent überbewertet sei, etwas mehr das Interesse der Akteure wecken können. Da aber gleichzeitig sowohl die Bewertung des Euro, des japanischen Yen und des chinesischen Yuan weitgehend mit den Fundamentaldaten in Einklang stehen würden, so der IWF, dürfte das Statement allenfalls US-Präsident Donald Trump aufgeregt haben, der bekanntlich immer wieder gegen einen zu festen Greenback wettert.

Der Kurs des Euro ist zumindest gegenüber dem Dollar wieder in seinen trendlosen Sommerschlaf zurückgefallen und liegt ziemlich in der Mitte zwischen seinem Risiko an der Unterseite, das bis 1,1135/40 reicht, und seinem Stabilisierungspunkt bei 1,1330.

 

Hinweise

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 10 Stellen.

Da ich heute unterwegs sein werde, erscheint die nächste ausführliche Ausgabe von „Dollar am Morgen“ erst am kommenden Montag. Die wichtigsten Kursniveaus werden allerdings am Freitag upgedated.

 

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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