Dollar am Morgen Märkte

Eine Art Mindest-Commitment

von Joachim Goldberg am 11. Juli 2019

EUR USD (1,1280)             Jerome Powell hat, wie man auf Neudeutsch sagt, gestern bei seiner Anhörung vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses „geliefert“. Er hat die Erwartungen der Marktteilnehmer nicht durch irgendwelche Fragezeichen hinsichtlich einer Zinssenkung bei der kommenden Sitzung der US-Notenbank am 30./31. Juli enttäuscht, sondern seinen Teil dazu beigetragen, dass dieser Schritt mit 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit stattfinden wird. Gleichzeitig hat der Fed-Chef es allerdings auch vermieden, sich hinsichtlich eines möglichen Zeitrahmens für etwaige geldpolitische Lockerungsmaßnahmen festzulegen oder gar einen Hinweis darauf zu geben, wie viele Zinssenkungen notwendig seien, um die US-Wirtschaft vor etwaigen Risiken zu schützen. Genau genommen hat Powell so wenig wie möglich und so viel wie nötig geliefert.

Begründungen für diese taubenhafte Haltung gab es ohnehin genug, und man hatte den Eindruck, Powell würde bereits aus dem gestern zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlichten Protokoll des Offenmarktausschusses (FOMC) der vergangenen Juni-Sitzung der Fed zitieren. Danach hätten sich für viele FOMC-Mitglieder die Voraussetzungen, die für eine lockerere geldpolitische Haltung der Notenbank sprächen, verstärkt, war zu hören. Nicht nur, weil sich die Unwägbarkeiten aus dem US-chinesischen Handelskonflikt verstärkt hätten, sondern auch wegen der Sorge, dass sich die globalen Wachstumsprobleme auch auf den ökonomischen Ausblick der USA auswirken könnten. Die Frage, ob der jüngste Arbeitsmarktbericht seine Meinung diesbezüglich geändert habe, beantwortete Powell mit einem klaren Nein. Damit bleiben das Wachstum „solide“ und der Arbeitsmarkt „stark“, aber dennoch nicht überhitzt. Und vermutlich wäre alles fantastisch, wenn die Inflationsentwicklung nicht so schleppend verliefe, so in etwa der Eindruck, den Powells Darstellung hinterließ.

 

50 Basispunkte im Juli wieder Thema für Futures-Märkte

Und so dürfte es dem Fed-Präsidenten nicht schwergefallen sein, sich gegenüber den zuletzt immer wieder aufkeimenden Tiraden des US-Präsidenten deutlich abzugrenzen. Nein, er habe nicht die Absicht, als Fed-Präsident zurückzutreten, sondern das Gesetz sehe für dieses Amt einen Zeitrahmen von vier Jahren vor, den er auch bedienen werde, so Powell.

Für die die US-Aktienmärkte gab es einen kleinen Sprung nach oben, wobei der breitgestreute S&P 500-Index nur deswegen auffiel, weil er zum ersten Mal in seiner Geschichte die 3.000er Marke überwunden hatte. Die Futures-Märkte tendieren indes schon wieder zur Übertreibung, denn die implizite Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung von 50 Basispunkten ist per Ende Juli gestern von 3 auf rund 27 Prozent (vgl. CME FedWatch-Tool) gestiegen. Auch der Dollar konnte seine gestrigen Kursverluste nicht kompensieren, so dass sich der Euro zu erholen vermochte. Daran änderte auch das Protokoll der vergangenen FOMC-Sitzung nicht viel, deren Teilnehmer vielfach, aber wenig überraschend, sowohl die Risiken für das Wachstum, aber auch für die Inflation abwärtsgerichtet sahen. So gesehen peilen einige Mitglieder eine baldige Zinssenkung als „Polster“ gegen ein sich möglicherweise abschwächendes Wachstum an. Der Euro bewegt sich damit quasi im Niemandsland, da eine Stabilisierung erst jenseits von 1,1330 möglich und die Unterseite noch bis 1,1155 geöffnet ist.

 

Hinweise

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 10 Stellen.

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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