Dollar am Morgen Märkte

Delikate Anhörung

von Joachim Goldberg am 9. Juli 2019

EUR USD (1,1215)             Ein weiterer recht langweiliger Tag für Euro-Händler liegt hinter uns. Dabei ist es nicht so, dass die Akteure an den Finanzmärkten keine wichtigen Neuigkeiten zu verarbeiten gehabt hätten. Aber offenbar richtet sich das Interesse der Händler vielmehr auf den kommenden Mittwoch, wenn der Chef der US-Notenbank Jerome Powell in seiner zweitägigen Anhörung vor Ausschüssen des Repräsentantenhauses und des Senats (Donnerstag) Rede und Antwort stehen muss. Und was die Fed angeht, wird das Ganze auch noch durch das Protokoll der vergangenen Sitzung des Offenmarktausschusses abgerundet, das ebenfalls am morgigen Mittwoch publiziert wird.

Während besagtes Protokoll, die sogenannten „Minutes“, eine Sitzung widerspiegelt, die drei Wochen zuvor stattgefunden und somit von wichtigen Ereignissen überholt worden sein dürfte, ist die Anhörung Powells, das sogenannte Humphrey Hawkins Testimony, wesentlich bedeutender. Denn letztlich versprechen sich die Marktteilnehmer gerade angesichts des positiven US-Arbeitsmarktberichts vom vergangenen Freitag Hinweise darauf, ob es bei der kommenden Fed-Sitzung Ende des Monats tatsächlich zu einer präventiven Zinssenkung von 25 Basispunkten kommen wird. Die Futures-Märkte haben einen derartigen Schritt längst eingepreist und die völlig überzogenen Erwartungen mancher Akteure, die Fed könne womöglich sogar den Leitzins um 50 Basispunkte senken, sind zuletzt korrigiert worden.

 

Wer hilft eigentlich Powell?

Noch interessanter allerdings könnte sein, wie Jerome Powells auf die erneut versuchte Einflussnahme von US-Präsident Donald Trump auf die Notenbankpolitik reagiert. Denn trotz der guten Zahlen zum Arbeitsmarkt am vergangenen Freitag zog Trump via Twitter erneut über die Fed her. Diese Angriffe häufen sich zunehmend, egal, was gerade makroökonomisch geschieht. Tatsächlich bleibt Powell bei der Anhörung am Mittwoch vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses gar nichts anderes übrig, als explizit die Unabhängigkeit der Fed zu verteidigen. Und es ist sicherlich kein Zufall, dass immer wieder Medienberichte die Runde machen, wonach Trump sogenannten Regierungsquellen zufolge den Notenbankchef lieber heute als morgen loswerden möchte.

Während sich die Medien diesseits des Atlantiks zu Recht über den vorzeitigen Rausschmiss des türkischen Notenbankpräsidenten durch Staatspräsident Erdogan aufregen und die Devisenmärkte die türkische Lira mit einem zeitweisen Wertverlust von 2,8 Prozent (gegenüber USD) aber nicht wirklich abstraften, hält sich das Bedürfnis der Kommentatoren, Jerome Powell gegen Trump den Rücken zu stärken, in Grenzen. Entweder hat man sich an die häufigen Tiraden Trumps bereits gewöhnt oder man hofft, es werde doch gar nicht so weit kommen. So sieht es fast aus, als ob viele mit Spannung dabei zuschauen würden, ob es Trump trotz anscheinend unklarer Rechtslage tatsächlich gelingen könnte, den Fed-Chef aus dem Sattel zu heben.

So gesehen ist der Dollar eigentlich viel zu fest, vor allem wenn man bedenkt, dass das Thema Währungskrieg (massive Abwertung des Greenback) auch zum Repertoire der Administration Trump gehören könnte. Der Euro jedenfalls hat zwar weiterhin einen Abwärtsrisiko bis 1,1170 (modifiziert) bzw. 1,1110, aber dieses Potenzial gewinnbringend zu handeln scheint angesichts des entfernten Stabilisierungspunkts bei 1,1330/35 nicht gerade attraktiv zu sein.

 

Hinweise

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 10 Stellen.

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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