Dollar am Morgen Märkte

Interventionsgerede

von Joachim Goldberg am 5. Juli 2019

EUR USD (1,1280)             US-Feiertage wie der gestrige Unabhängigkeitstag lassen die Finanzmärkte immer ein wenig durchatmen. Dennoch fragen sich viele Kommentatoren, wie es sein kann, dass einerseits der US-Aktienmarkt immer wieder mit neuen Allzeithochs aufwartet und die US-Notenbank, sofern man den Preisen der Geld- und Anleihemärkte Glauben schenken mag, die Zinsen angeblich deutlich senken wird. Denn letztlich ist es genau diese Hoffnung, die die Rallye an den Aktienmärkten vorantreibt. Die Gründe liegen auf der Hand: Die Unsicherheiten, verbunden mit dem immer noch offenen Ausgang des US-chinesischen Handelskonflikts, und Ängste, dass das US-Wachstum an Momentum verlieren könnte. Mit anderen Worten: Während also die Aktienmärkte heiß zu laufen drohen – mancherorts glaubt man an den Beginn einer regelrechten Spekulationsblase –, ahnen die Akteure an den Anleihemärkten für die US-Ökonomie, aber auch für die hiesige Wirtschaft nichts Gutes. Auch wenn vor allem die US-Aktienmärkte boomen und die dortigen Futures-Märkte zwei bis drei Zinssenkungen für die USA in diesem Jahr mit einer impliziten Wahrscheinlichkeit von über 90 bzw. 60 Prozent einpreisen, kann man sich leicht vorstellen, was geschieht, wenn diese Hoffnungen nicht erfüllt werden. Man könnte sich also durchaus die Frage stellen ob nun die Aktienmärkte oder die Anleihemärkte übertreiben. Wahrscheinlich beide. Denn mit Recht bemerken einige Kommentatoren, dass die Zentralbanker rund um die Welt ohne guten Grund den Panikknopf drückten. Denn es gebe derzeit weder eine Finanzkrise, noch drohe ein Auseinanderbrechen des Euro, konnte man gestern etwa HIER lesen.

 

Vom Handels- zum Währungskrieg?

Während im US-chinesischen Handelskonflikt zumindest vordergründig Ruhe eingetreten ist, konzentriert sich Donald Trump seit Mittwoch wieder auf einen möglichen Währungskonflikt. Denn der US-Präsident bezichtigte China und Europa in einer seiner berüchtigten Tweets der Währungsmanipulation. Das ist nichts Neues und hat auch die Devisenhändler bislang nicht irritiert. Zumal es gerade einmal einen Monat her ist, dass der Bericht des Finanzministeriums genau das Gegenteil zu Trumps Verdächtigung festgestellt hatte. Aber Kommentatoren dachten zumindest über Szenarien nach, wie Donald Trump seinem Wunsch nach einem schwächeren Dollar Nachdruck verleihen könnte. Die Rede ist von Währungsinterventionen, die das US-Finanzministerium zuletzt im Jahr 2011, allerdings in einer konzertierten G7-Aktion begleitet hatte. Damals geschah dies, um im Gefolge des schweren Erdbebens in Japan einen massiven Anstieg des Yen zu stoppen.

Hätte eine Intervention der USA gegen den Dollar ohne die Hilfe anderer Zentralbanken – die USA könnten für ein Abwertungsvorhaben haben wohl kaum Freunde gewinnen – heutzutage überhaupt Erfolg? Abgesehen davon, dass derartige Dollar-Verkäufe der von Trump beklagten Währungsmanipulation seitens der EU und China gleichkäme – worum sich Trump wohl kaum scherte –, würden die Interventionen nicht ohne Nebenwirkungen verlaufen. Denn die ausländischen Investoren würden sich in diesem Falle von ihren auf US-Dollar lautenden Anlagen zumindest teilweise trennen.  

Gestern ist naturgemäß beim Euro alles ruhig geblieben, wobei an der Unterseite nach wie vor das wichtige Niveau von 1,1265 recht nah am derzeitigen Handelsgeschehen liegt. Ein Versagen dieses Nachfragebereichs würde immer noch die Unterseite für Kursrückgänge in Richtung 1,1180 oder gar 1,1110 öffnen.

 

Hinweise

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 10 Stellen.

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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