Dollar am Morgen Märkte

Vieles spricht gegen den Euro und wenig für den Dollar

von Joachim Goldberg am 29. Mai 2019

EUR USD (1,1160)             Ein Kommentator brachte die gestrige Stimmung auf den Punkt, als er sinngemäß sagte, die Marktteilnehmer seien zwar vom verlängerten Wochenende [aufgrund der Feiertage in Großbritannien und den USA] zurückgekehrt, aber der Devisenmarkt fühle sich trotz allem „leer“ an. Und tatsächlich stagnierte das Handelsgeschehen beim Euro zum Dollar gestern während des europäischen Handels weitgehend zwischen 1,1195 und 1,1170.

Es hätte doch durchaus Argumente gegen den Euro gegeben. Dabei muss man weniger an die publizierten ökonomischen Daten denken, die etwa hinsichtlich des deutschen GfK-Verbrauchervertrauens leicht enttäuschten. Auch dass der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) seine Wachstumsprognose zum heimischen Bruttoinlandsprodukt für das laufende Jahr zum zweiten Mal und nun von 0,9 auf 0,6 Prozent senkte, traf wohl auf taube Ohren. Immerhin: Die Erwartungen für das Auslandsgeschäft befinden sich auf dem niedrigsten Niveau seit einer Dekade. Will sagen: Die heimische Wirtschaft dürfte kaum in der Lage sein, sich von der schwierigen globalen Handelssituation infolge des US-chinesischen Konflikts abzukoppeln.

 

Salvinis neue Ideen

Mehr Reaktion zeigten die Finanzmärkte indes, als sich der stellvertretende italienische Premierminister Matteo Salvini erneut zu Wort meldete. Ermutigt durch den jüngsten Erfolg bei den Eurowahlen, schlug der Chef der Lega Nord vor, dass die EU-Schuldenregeln nicht darauf abzielen sollten, die jeweilige Neuverschuldung unter der 3-Prozent-Grenze des Bruttoinlandsprodukts zu halten. Vielmehr halte er Regeln zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit für wichtiger. Auch solle man über eine neue Rolle der EZB reden, wie diese etwa Staatsschulden „garantieren“ könnte, um „Spekulationen“ einzudämmen. Denn es sei es nicht richtig, dass die Rendite italienischer Staatsanleihen höher als die anderer EU-Mitgliedstaaten sei.

Dass die Anleihehändler dies anders sehen, zeigte sich auch gestern am Renditevorsprung zehnjähriger italienischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen mit ähnlicher Laufzeit, der sich in der Spitze auf fast 289 Basispunkte erhöhte und damit fast das Jahreshoch vom Februar (rund 293 Basispunkte) erreichte. Mit anderen Worten: Die drohende Auseinandersetzung Salvinis mit der EU über die italienische Schuldensituation beunruhigt die Investoren.

Dass der Euro am Ende des Tages nicht stärker unter die Räder gekommen ist, ist nicht zuletzt wohl auch den fehlenden Argumenten für eine Dollarstärke zu verdanken. So ist etwa die implizite Wahrscheinlichkeit für mindestens eine US-Leitzinssenkung noch in diesem Jahr weiter gestiegen. Denn das CME FedWatch Tool berechnete dafür eine Wahrscheinlichkeit von rund 80 Prozent zum europäischen Handelsschluss, das ist ein Anstieg von rund 15 Prozentpunkten gegenüber Dienstag vor einer Woche. Somit bleibt der Euro innerhalb seiner derzeitigen Konsolidierung zwischen 1,1110 und 1,1320/25 und ist oberhalb von 1,1140 sogar als recht stabil einzustufen.

 

Hinweis

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 10 Stellen.

Wegen des morgigen Feiertags Christi Himmelfahrt erscheint der nächste Bericht erst am Freitag, den 31. Mai

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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