Dollar am Morgen Märkte Politik

Vergleich mit 2003?

von Joachim Goldberg am 17. Mai 2019

EUR USD (1,1175)             Mulmig konnte einem werden, als US-Präsident Donald Trump gestern von einem Journalisten gefragt wurde, ob die USA gegen den Iran in den Krieg ziehen würden. Denn die Antwort Trumps lautete: „Ich hoffe nicht“. Manche deuteten das bereits als ein „Ja“. Und es dauerte nicht lange, bis etwa die Financial Times (HIER) sinngemäß titelte, die USA würden die Weichen für ihren nächsten Krieg im Mittleren Osten stellen. Ein Krieg, der eigentlich nicht zwingend notwendig sei („war of choice“), weil keine größeren Gefahren drohten, falls man ihn nicht führen würde. Und so braucht man auch nicht viel Fantasie, um, wie der Kommentator der Financial Times, Parallelen zum Irak-Krieg des Jahres 2003 zu sehen. So werden etwa der nationale Sicherheitsberater John Bolton und Außenminister Mike Pompeo als „würdige Erben“ von Donald Rumsfeld und Dick Cheney bezeichnet [Anm: der damalige Verteidigungsminister bzw. Vizepräsident der USA].

Möglicherweise gab es gestern auch andere Motive, warum etwa die typischen Fluchtwährungen Schweizerfranken und Yen gegenüber dem Euro unterschwellig nachgefragt waren. Zumindest kann man andere Ursachen dafür benennen, warum der Franken innerhalb einer Woche in der Spitze fast 1,4 Prozent gegenüber dem Euro (gegenüber dem Dollar sogar noch ein wenig mehr) an Wert gewonnen hat. Etwa die Eskalation im US-chinesischen Handelskrieg. Eine Entwicklung, die die Aktienmärkte dies- und jenseits des Atlantik mittlerweile jedoch gut weggesteckt haben. Ganz zu schweigen von der Jubel-Rally, die durch die Ankündigung der USA, die Erhöhung der Strafzölle auf Kraftfahrzeug-Importe zu verschieben, ausgelöst worden war.  

 

Langfristige Kapitalströme könnten Euro stützen

Euro-Händler schien das nicht wirklich zu interessieren. Vielleicht sehen Devisenhändler die Dinge realistischer als die anderen Finanzmarktteilnehmer. Denn das Kfz-Zoll-Thema, unter dem Europa und ganz besonders Deutschland leiden würden, ist längst noch nicht vom Tisch. Aber auch ohne die 25-prozentige Importsteuer hat bereits allein der eskalierte Handelskonflikt zwischen den USA und China für genügend Unsicherheit gesorgt. Nicht umsonst sprach Bundesbankpräsident Jens Weidmann gestern in einer Rede davon, dass diese Zölle deutsche Auto-Produzenten hart treffen würden. Also nicht unbedingt ein Kaufargument für den Euro.

Zwar ist die Gemeinschaftswährung erneut leicht unter Druck geraten, aber es ist schon erstaunlich, dass die Abwärtsimpulse angesichts der gestern bekannt gewordenen, überraschend positiven Wirtschaftsdaten aus den USA (Neubaubeginne, Philly-Fed-Index) nicht deutlicher ausgeprägt haben. Und fast hat es den Anschein, als ob der Euro seit Beginn dieses Jahres jedes Mal beim Abdriften in Richtung 1,12 und nun 1,11 abgefangen würde. Möglicherweise verursacht von langfristigen Kapitalströmen vom Dollar in Richtung Euro. Und wenn man den eingangs erörterten Vergleich eines drohenden Krieges der USA mit dem Iran mit dem Irak-Krieg von 2003 ziehen möchte, fällt auf, dass ein ähnlicher Kapitalstrom auch damals existierte. Bereits mit der Rede des damaligen US-Präsidenten George W. Bush über die „Achse des Bösen“ im Jahr zuvor begannen viele langfristig orientierte Investoren ihre Dollarbestände in Richtung Euro umzuschichten. Eine ähnliche Tendenz könnte übrigens durch die jüngste Eskalation im Handelskonflikt durch schrittweise Umschichtungen chinesischer Währungsreserven von US-Dollar in Euro begünstigt werden. Kurzfristig bleibt der Euro allerdings in seiner Seitwärtsentwicklung zwischen 1,1110 (modifiziert) und 1,1375 gefangen.

 

Hinweis

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 10 Stellen.

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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