Dollar am Morgen Märkte

Noch kein richtiges Drama

von Joachim Goldberg am 9. Mai 2019

EUR USD (1,1190)             Wenn jemand den Verlauf eines Fußballspiels dramatischer findet – die Rede ist vom Halbfinalspiel der Champions League Liverpool FC gegen den FC Barcelona am vergangenen Dienstag – als den Einbruch der Kurse am US-Aktienmarkt und anderswo, muss er wohl richtig positioniert gewesen sein. Weil es sich im besagten Fall jedoch um die Wahrnehmung eines Kommentators handelt, kann man sogar davon ausgehen, dass dessen Worte höchstwahrscheinlich nicht etwa ein eigenes Engagement, sondern Positionen seiner Gesprächspartner, also möglicherweise Entscheider an den Finanzmärkten, widerspiegeln. Dabei scheint es sich nicht nur um hiesige Investoren zu handeln, die einer möglichen Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China gelassen entgegensehen. Gerade was den US-Aktienmarkt betrifft, war dort nach herrschender Meinung von Beobachtern ohnehin schon längst eine „gesunde Korrektur“ überfällig gewesen.

          Dass diese für Außenstehende möglicherweise viel bedrohlicher wirkende Gemengelage von den Akteuren an den Finanzmärkten derzeit vergleichsweise gelassen gesehen wird, zeigt sich auch an den bis gestern relativ moderat gestiegenen impliziten Volatilitäten am Aktienmarkt, die bei ähnlichen Anlässen im vergangenen Jahr wesentlich heftiger reagiert hatten. Handelt es sich bei dieser Gelassenheit womöglich um ein Zeichen von Overconfidence, also um ein zu starkes Vertrauen in die eigenen (Prognose)-Fähigkeiten bei den Akteuren? Aber auch im Devisenhandel ist derzeit nichts von einer großen Flucht in den Schweizerfranken oder den japanischen Yen zu bemerken. Der Franken hat sich gegenüber dem Euro zuletzt sogar etwas abgeschwächt. Kein echtes Drama also.

          Sowohl die Entwicklung an den Aktienmärkten (vgl. etwa die jüngste Stimmungserhebung der Börse Frankfurt HIER) als auch die des Euro zum Dollar haben zumindest eines gemeinsam: Offensichtlich passen beide den Entscheidern vielerorts und mehrheitlich in den Kram. Oder anders ausgedrückt: Es scheint zumindest keine großen Schieflagen der Akteure mit kurz- und mittelfristigem Handelshorizont zu geben. Denn anders lässt sich diese doch seltsame Gelassenheit trotz weiterer drohender Risiken wie etwa die massive Abwertung der türkischen Lira oder eine weitere Eskalation des Konflikts der USA mit dem Iran kaum erklären.

          Auch der mittelfristig kaum vorhandene Abwärtstrend des Euro gegenüber dem Dollar, verbunden mit einer fast schon verdächtigen Ruhe, spricht dafür, dass man vielerorts mit dem derzeitigen Kursniveau zufrieden ist. Diese Annahme bestätigt auch unser auf Erkenntnissen der Behavioral Finance basierendes Modell, das derzeit den fairen Wert des Euro für mittelfristig orientierte Akteure etwa mit 1,1230 berechnet. Nicht allzu weit davon entfernt verläuft auch die Obergrenze des kurzfristigen Euro-Abwärtstrends (1,12601,1020), der die Bezeichnung „Trend“ zurzeit eigentlich nicht verdient.

 

 

 

Hinweis

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße Ihre Gültigkeit. Diese beträgt

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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