Dollar am Morgen Märkte

Ein geeigneter Sündenbock

von Joachim Goldberg am 6. Mai 2019

EUR USD (1,1190)             Was die Wachstumsperspektiven betrifft, liest sich der am Freitag publizierte US-Arbeitsmarktbericht großartig – zumindest auf den ersten Blick. Dass die Arbeitslosenquote (3,6 %) im April auf den niedrigsten Stand seit 49 Jahren gefallen ist, klingt wie ein Superlativ. Allerdings mit der Einschränkung, dass die unerwartet niedrige Arbeitslosigkeit mit einem deutlichen Rückgang bei der Zahl der erwerbsfähigen Personen (labor force) einherging. Und auch der Zuwachs an Stellen im Nicht-Agrarbereich scheint mit +263.000 selbst optimistische Prognosen übertroffen zu haben. Dabei hätte der Überraschungseffekt eigentlich gar nicht so groß sein dürfen, hatte doch bereits am vergangenen Mittwoch die private Arbeitsmarktagentur ADP mit ihren auffallend guten Zahlen die Vermutung nahegelegt, dass auch das Arbeitsministerium Positives vermelden würde. Aber offensichtlich sahen sich die meisten Analysten nicht genötigt, ihre Prognosen im Vorfeld der Freitagszahlen anzuheben. Oder sie haben wegen des Mai-Feiertages in vielen europäischen Ländern – Japan war ohnehin während der ganzen Woche geschlossen – und der Sitzung der US-Notenbank am selben Tag die guten ADP-Zahlen ganz einfach nicht wahrgenommen.

          Die Arbeitsmarktdaten dürften zwar die Angst vor einer etwaigen Verlangsamung des US-Wachstums beschwichtigt und der abwartenden Haltung der US-Notenbank Recht gegeben haben. Wenn da nicht die Median-Erwartung der Ökonomen bei der Entwicklung der durchschnittlichen Stundenlöhne leicht enttäuscht worden wäre. Und damit wird auch US-Präsident Donald Trump nicht von seiner Forderung nach Zinssenkungen abrücken. Das machten entsprechende Statements von Vizepräsident Mike Pence und dem ökonomischen Chefberater des Weißen Hauses, Larry Kudlow, am Freitag deutlich, die wegen der schleppenden Inflationsentwicklung von der Notenbank entsprechende Maßnahmen forderten.

          Auch wenn Trump nun auf die Besetzung zweier offener Sitze im Fed-Vorstand mit seinen Wunschkandidaten Herman Cain und Stephen Moore verzichten muss, bleiben seine Forderungen und Tiraden natürlich bestehen. Diese bauen nicht nur Druck auf die Entscheider im Offenmarktausschuss der Notenbank auf, sondern liefern dem US-Präsidenten eine hervorragende psychologische Ausgangslage. Sollten sich die US-Wirtschaft und Aktienkurse nicht in seinem Sinne entwickeln, hat er – so unsinnig seine Forderungen für viele Kommentatoren klingen mögen – mit der Fed einen geeigneten Sündenbock.         

 

Trumps Strafzoll-Tweet lässt Euro wenig beeindruckt

Unterdessen beschloss der Dollar die vergangene Handelswoche gegenüber dem Euro mit einem leichten Minus. Dies ist insofern bemerkenswert, als der Euro noch nach Publizierung des US-Arbeitsmarktberichts vorübergehend auf den niedrigsten Kurs der Woche zurückgefallen war. Die Erholung zum Handelsschluss zeigt indes zweierlei. Zum einen war der Ausflug des Euro in Richtung Unterseite lediglich auf kurzfristige Engagements zurückzuführen, die letztlich wieder glattgestellt werden mussten. Zum anderen will der Abwärtstrend des Euro (zwischen 1,1270/75 und 1,1045/50) nicht so recht ins Laufen kommen. Das dürfte dem Umstand geschuldet sein, dass die für einen Trend notwendigen Schieflagen, vornehmlich von mittelfristig engagierten Akteuren, wahrscheinlich nicht in großem Maße vorhanden sind. Auch die Ankündigung Donald Trumps via Twitter, Sonderzölle auf Einfuhren aus China in die USA von Freitag an zu erheben und die damit möglicherweise völlig zum Stillstand kommenden Handelsgespräche, haben heute früh bislang bei der Gemeinschaftswährung lediglich eine vorübergehende Abwärtsreaktion von 30 Stellen gezeitigt.

 

 

Hinweis

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße Ihre Gültigkeit. Diese beträgt

für EUR/USD 10 Stellen.

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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