Allgemein Märkte

Die Angst vor dem Anleihe-Crash

von Joachim Goldberg am 19. Oktober 2016

senti_19102016-kopieWährend das Handelsgeschehen beim DAX weiterhin seitwärts verläuft und auch keine allzu großen Impulse für einen großangelegten Trend zu erwarten sind, gibt es doch hinsichtlich der Risikoeinschätzungen an den Aktienmärkten einige Veränderungen. Dies zeigt auch die jüngste BofA Merrill Lynch-Umfrage unter Fondsmanagern, bei der von allen Ängsten immer noch diejenige vor einem Auseinanderbrechen der EU am größten ist. Aber an zweiter Stelle wird von den Befragten nunmehr das Risiko eines Crashs am Bondmarkt genannt, gefolgt von einem Sieg der Republikaner bei den anstehenden US-Präsidentschaftswahlen.

Die Befürchtung, China könne seine Währung abermals abwerten, spielt für die meisten Vermögensverwalter offensichtlich nur noch eine untergeordnete Rolle. Und die möglichen negativen Folgen des Brexit – zum Zeitpunkt der Befragung (7. bis 13. Oktober) ging man vielerorts noch von einem sogenannten „hard Brexit“ aus!  – scheinen trotz der heftigen Bewegungen des britischen Pfundes für die Fondsmanager unterhalb der Wahrnehmungsschwelle zu liegen. Umso bemerkenswerter ist es, dass die Kassequote von 5,5 Prozent im Vormonat im Oktober wieder auf 5,8 Prozent gestiegen ist und damit das Niveau vom Juli, kurz nach dem Brexit-Referendum, erreicht hat.

 

Fondsmanager sind gut positioniert

Die wieder aufgeflammte Risikoaversion lässt sich aber mit dem Umstand erklären, dass netto 76 Prozent der befragten Fondsmanager damit rechnen, dass die Renditekurve in den USA einen steileren Verlauf nehmen und damit in den kommenden sechs Monaten zum entscheidenden Einflussfaktor für die Aktienkurse wird. Ganz zu schweigen von der hohen Volatilität, die viele Akteure für die Finanzmärkte erwarten, falls Donald Trump tatsächlich die Wahlen gewinnen sollte. Allerdings darf dabei nicht vergessen werden, dass nunmehr netto 50 Prozent der Fondsmanager bereits in globalen Anleihen untergewichtet und insofern gegen fallende Kurse bzw. steigende Renditen abgesichert sind. Vor diesem Hintergrund wirken ihre Äußerungen weit weniger überraschend.

Kein Wunder, dass europäische Aktien bei den Fondsmanagern nur auf untergeordnetes Interesse stoßen: Aktien der Eurozone erfuhren wie im Vormonat eine leichte Übergewichtung von 5 Prozent. Damit wird gleichermaßen deutlich, dass der heimische DAX während der vergangenen Wochen kaum von ausländischen Kapitalströmen profitiert haben dürfte. Dass das Börsenbarometer vielmehr fast ausschließlich von heimischen Interessen getrieben wird, zeigt auch die jüngste Stimmungsumfrage der Börse Frankfurt, die ich HIER kommentiert habe.

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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