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Der Glaube kommt ganz von alleine

von Joachim Goldberg am 29. September 2016

Oft steht man vor Entscheidungen und trifft diese nicht, weil einem die richtige Überzeugung oder der Glaube an sie fehlt. Da steht man manchmal da und zermartert sich stundenlang das Hirn: „Soll ich oder soll ich nicht?“ Denn intuitiv mag man  die Einstellung haben, bevor man etwa in die Kirche geht, muss man an sie glauben. Aber was würde denn passieren, wenn man statt lange nachzudenken, einfach in die Kirche hinein ginge? Womöglich sogar öfters. Sie können sicher sein: Der Glaube wird mit der Zeit ohnehin von ganz alleine kommen. Je gravierender die Entscheidung (je höher das Commitment), desto fester die Überzeugung, das Richtige getan zu haben. Denn sein Denken kann man eher ändern als sein Handeln. Im Zweifel muss man etwas nur oft genug wiederholen, bis man schließlich selbst daran glaubt.

Das Drehen solcher Gebetsmühlen hat jedoch einen gravierenden Nachteil, falls die ursprüngliche Entscheidung falsch gewesen sein sollte. Denn im Gefolge einer solchen Fehlentscheidung werden stets auch nur solche Informationen und Nachrichten wahrgenommen, die diese nachträglich rechtfertigen und einen daher in der eigenen Haltung bestärken. Was wiederum bedeutet, dass eine Verhaltensänderung oder gar die Revision der einmal getroffenen (Fehl)entscheidung immer schwerer fallen wird.

 

Eine zweischneidige Angelegenheit

Jetzt stellen Sie sich bitte einmal einen Fondsmanager vor, der ein größeres Aktienpaket eines bestimmten Unternehmens gekauft hat. Woran ja eigentlich gar nichts auszusetzen wäre, würde er nur nicht beim nächsten Interview in einem Nachrichtensender Vorzüge und Chancen dieser Aktie über alle Maße preisen. Dasselbe macht er dann noch einmal in einem Zeitungsbeitrag und wiederholt seine Meinung auch noch bei der am selben Tage stattfindenden Sitzung des Anlageausschusses. Während sich in der kurzen Zeit vermutlich nichts Fundamentales bei dem betreffenden Unternehmen ereignet hat, trifft dies leider nicht für die Überzeugung unseres Managers zu, der nun nicht mehr nur glaubt, das Richtige getan zu haben, sondern sicher ist, die beste aller möglichen Optionen gewählt zu haben. Und so dürfte es für ihn immer schwieriger werden, von der Entscheidung loszulassen, wenn diese sich wider Erwarten als falsch herausstellen sollte.

Daher habe ich mir angewöhnt, über meine Trades möglichst nicht mit anderen Menschen zu sprechen. Und schon gar nicht, Tipps dazu abzugeben.

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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