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Auf Negativzinsen fixiert

von Joachim Goldberg am 18. Februar 2016

Das gestern veröffentlichte Protokoll zur Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC) vom 26./27. Januar unterstreicht erneut, dass sich die Fed innerlich bereits längst von weiteren Zinserhöhungen für das Jahr 2016 immer weiter verabschiedet. Eigentlich bedarf es nur noch einiger Zeit, bis die Akteure an den Finanzmärkten, die diese Tendenz schon längst vorweggenommen haben, noch mehr verbale Statements diesbezüglich zu hören bekommen. Genau genommen hat das sogar schon angefangen, wenn etwa gestern James Bullard äußerte, es sei unklug, mit den Zinserhöhungen weiter zu machen. Dies ist derselbe Präsident der Fed von St. Louis, der sich noch vor einem Monat für vier Zinserhöhungen in diesem Jahr stark machte! Dabei ist es nicht die US-Konjunktur die während dieser Zeit einen sichtbaren Schlag ins Kontor bekommen hätte. Vielmehr sind es die Aktienmärkte, die den Entscheidern bei der Fed Sorgen machen. Genau deswegen ist nun James Bullard wie auch schon bei früheren Gelegenheiten verbal zur Stelle.

Ich habe es schon häufiger betont, was etwa ein Einsturz des US-Leitindex S&P 500 von 20 Prozent, ausgelöst durch eine „falsche“ US Notenbankpolitik, für die Superreichen in den USA bedeuten würde. Denn ein Kursrückgang im Aktienmarkt schlägt sich in deren Portfolien überproportional stark nieder. Somit kann ich nur immer wieder den Journalist und Schriftsteller Robert Frank zitieren, der den S&P 500 bereits vor Längerem als das neue Bruttoinlandsprodukt bezeichnete.

 

Politik für die Superreichen

Und es ist angesichts der Verwerfungen am Aktienmarkt bis zum vergangenen Donnerstag kein Wunder, dass sich die Beobachter fragen, ob die US-Notenbank nicht sogar ihre Entscheidung vom vergangenen Dezember zurücknehmen muss und letztlich sich dem Kanon der Europäischen Zentralbank und der Bank von Japan (BoJ) anschließen muss, die sich nun mit Negativzinsen versuchen.

Aber bereits der jüngste Zinsschritt der BoJ in negatives Zinsterrain hat gezeigt, dass die Finanzmärkte dieses Experiment als Verzweiflungstat interpretieren. Einzig hierzulande scheint die Börse vordergründig betrachtet der Fed zuzujubeln, deren Vertreter sich geradezu rührend um den Aktienmarkt kümmern. Aber vielleicht war der Aktienmarkt ohnehin für eine korrektive Erholung überfällig.

Dennoch treibt mich das Thema Negativzinsen um, weil ich Zins im weitesten Sinne eigentlich immer als ein Entgelt für eine Wartezeit begriffen habe, weswegen mir Negativzinsen zutiefst unsinnig erscheinen. Aber vielleicht hat der frühere Chef der Federal Reserve von Minneapolis, Narayana Kocherlakota, einst eine Obertaube im FOMC, Recht, wenn er nur zögerlich eine Negativzinspolitik mit einer Perspektive bis zu einem Leitzins von minus 3 Prozent unterstützt. Mehr noch, bezeichnet er diese es als ein riesiges Versagen der Fiskalpolitik, dass Zentralbanken zu solchen Mitteln greifen müssten.

Möglicherweise wären staatliche Stimulusprogramme wesentlich erfolgreicher gewesen. Zumindest wäre die Chance erheblich höher, dass das Geld für eine Ankurbelung der Inflation direkt bei den Richtigen angekommen wäre. „Zentralbankpolitik im Zeichen von Negativzinsen“ ist übrigens auch mein heutiges Thema des Monats, das ich für die WGZ Bank verfasst habe.

 

 

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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