Märkte

Verlustbewältigung

von Joachim Goldberg am 21. Januar 2016

Hinterher sei man immer schlauer, lautet eine Börsenweisheit. Sie trifft für diejenigen ganz besonders zu, die während der vergangenen zweieinhalb Wochen am Aktienmarkt bullish positioniert waren, aber dem rapiden Kurssturz tatenlos zugesehen und nun mit massiven Buchverlusten zu kämpfen haben. „Wäre ich doch rechtzeitig ausgestiegen, ich hab‘ es doch kommen sehen“ ist deswegen ein Satz, der zurzeit häufig zu hören ist.

Aber soll man jetzt noch aussteigen?

Gefühlt steigt nämlich das Risiko, genau „ins Loch hinein“ zu verkaufen mit jedem weiteren schwachen Börsentag. Und was wäre schlimmer als direkt nach einem Ausstieg womöglich Zeuge einer heftigen Aufwärtsbewegung des DAX zu werden?

Nun hat sich aber auch noch eine andere Weisheit bewahrheitet, die von einem Börsenexperten herumgereicht wurde: Während man sich im steigenden Markt über Kursgewinne freuen kann bekäme man im fallenden Markt für das gleiche Geld immerhin mehr Aktien, war da zu lesen. Allerdings dürfte sich selbst für einen Börsenprofi dieser „Kursvorteil“ überraschend schnell eingestellt haben. Die Frage ist nur, ob die Akteure jetzt den Mut haben, diese Strategie auch tatsächlich umzusetzen. Immerhin kommt dies der menschlichen Neigung, immer möglichst billig zu kaufen, psychisch entgegen.

Egal welche Strategie sich Anleger derzeit durch den Kopf gehen lassen, um etwaige Börsenverluste zu bewältigen – eigentlich ist eine Entscheidung fällig. Aber wenn man Anleger fragt, was sie im Zweifel theoretisch lieber erleben möchten:

 

a) heute Aktien verkaufen und danach einen Anstieg des DAX von 10 Prozent zu erleben

oder

b) heute nichts zu tun und anschließend einen weiteren Kursverlust des DAX von 10 Prozent zu erleben,

würde sich sicherlich eine große Mehrheit für b), also für Nichtstun, finden.

 

Kein Wunder, dass folglich auch viele Kunden- oder Vermögensberater in solch einer Situation lieber die Option „abwarten“ empfehlen.

Manche Strategie zur Verlustbewältigung ist aber fragwürdig. Und deswegen habe ich mich in meinem heutigen Thema des Monats, das ich wie immer HIER für die WGZ Bank erstellt habe, mit dieser Problematik etwas eingehender auseinandergesetzt.

SCHLAGWÖRTER

Die dargestellten Analysen, Techniken und Methoden dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen weder eine individuelle Anlageempfehlung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar, sondern spiegeln lediglich die Meinung des Autors wider. Goldberg & Goldberg übernimmt keine Art von Haftung für die Verwendung dieser Kommentare oder deren Inhalt. Die Berichte stellen keine Finanzanalyse im Sinne des § 34b WpHG, Anlageberatung, Anlageempfehlung oder Aufforderung zum Handeln dar. Darüber hinaus verweisen wir auf unseren Disclaimer.

5 Kommentare
  1. Antworten

    jörg

    22. Januar 2016

    Hallo Herr Goldberg,

    können Sie mir eine Auskunft über die iland green Aktie geben.
    Grüße jörg

    • Antworten

      Joachim Goldberg

      22. Januar 2016

      Hallo jörg,
      ich biete leider keine Einzelwertanalysen an.

  2. Antworten

    Christian

    27. Januar 2016

    „eigentlich ist eine Entscheidung fällig“
    Wer sagt das? Ich sehe das anders. Eine Reaktion auf Kursveränderungen ist aktives Management.
    Das funktioniert langfristig nicht.
    Da man eh nur Spielgeld bzw. in weiter ferne benötigtes Geld investieren sollte, muss man jetzt garnichts unternehmen. Ob bei meinem Depot -5% oder -50% steht ist mir egal, da ich eh nicht verkaufen werde.

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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