Behavioral Living Hedonomics

Was uns (angeblich) glücklich macht

von Joachim Goldberg am 5. Mai 2015

Nur allzu oft stehen wir unserem eigenen Glück im Weg. Nicht dass wir nicht wüssten, was uns glücklich macht. Die meisten Menschen wissen intuitiv, dass die Zeit, die wir mit unserer Familie oder mit Freunden verbringen, guter Schlaf, Gesundheit für Geist und Körper für unser Wohlbefinden wichtig sind. Wenn es allerdings um die tatsächliche Lebensführung geht, kümmern uns diese Grundsätze recht selten.

Stellen Sie sich vor, Sie bekämen zwei fast identische Arbeitsstellen angeboten. Das erste Stellenangebot böte Ihnen ein Jahresgehalt von 70.000 Euro[1], verbunden mit vernünftigen Arbeitszeiten, die einen durchschnittlichen Schlaf von siebeneinhalb Stunden pro Nacht zischen den Arbeitstagen gewährleisten würden.

Der zweite Job ist mit 125.000[2] Euro pro Jahr dotiert, die Arbeitszeiten sind unregelmäßig und die Schlafenszeit erreicht zwischen den Arbeitstagen durchschnittlich nur sechs Stunden.

Welche der beiden Alternativen würde Sie alles in allem, Ihr Leben als Ganzes betrachtet, glücklicher machen?

 

und

welche dieser beiden Optionen würden Sie tatsächlich wählen?

 

Bei einem Treffen der Nobelpreisträger in Lindau am Bodensee im Jahre 2010[3] wurden knapp 2700 Menschen diese und ähnliche Fragen gestellt. Die Mehrheit glaubte, dass ihnen mehr Schlaf zu mehr Glück verhelfen würde. Tatsächlich ist das auch richtig – ausreichender Schlaf korreliert mit höherem Wohlbefinden. Aber offenbar gegen besseres Wissen entschied sich eine Mehrheit für den finanziell attraktiveren Job. In dem Moment also, wenn Geld ins Spiel kommt, entscheiden sich die Menschen gegen ihr Glück.

Die Studie zeigt, dass Menschen keine reinen Glücks-Optimierer sind. Menschliche Entscheidungen sind wesentlich komplexer. Da tauchen plötzlich Erwägungen auf, was man sich mit Geld alles kaufen könnte. Geld verhilft möglicherweise dazu, den eigenen Status gegenüber Freunden, Kollegen und Nachbarn zu erhöhen, für viele ein wichtiges Ziel aller ihrer Anstrengungen und Bemühungen. Ein Ziel allerdings, das nicht immer glücklich macht.

 

[1] Im Original-Versuch war dies ein US-Dollar-Betrag von USD 80.000

[2] Im Original-Versuch war Betrag von USD 140.000 angegeben

[3] Benjamin, D. J., Heffetz O., Kimball M. S. & Ress-Jones, A. (2012): What Do You Think Would Make You Happier? What Do You Think You Would Choose? American Economic Review, 102(5): 2083-2110

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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