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Warum Bronze besser als Silber ist

von Joachim Goldberg am 14. Juli 2014

Endlich ist Deutschland Weltmeister im Fußball geworden. Gratulation! „Das war doch auch längst fällig“, wird sich mancher Fußballfan gesagt haben, denn immer „nur“ Dritter wie bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2010 oder nur Zweiter wie bei der Europameisterschaft 2008 zu sein, hatte bei manch einem zuletzt sogar für eine gewisse Ungeduld gesorgt. Dabei gab es gerade während der vergangenen großen Turniere immer wieder großartige Spiele der Deutschen und natürlich auch prächtig herausgespielte Siege. Auch bei der Weltmeisterschaft in Brasilien ist das nicht anders gewesen, wobei sich die Nationalmannschaft gerade mit den glänzenden Siegen gegen Portugal (4:0) und dem sensationellen 7:1 gegen den Gastgeber Brasilien selbst einen Referenzpunkt gesetzt hatte, der nur noch durch einen Turniersieg selbst überboten werden konnte.

Wie aber mögen sich die anderen gefühlt haben. Keine Frage – mit einem vierten Platz tragen viele Brasilianer womöglich sogar Trauerflor, obwohl, absolut betrachtet, unter die letzten vier eines so hochkarätigen Turniers zu kommen doch auch schon eine Menge bedeutet. Selbst wenn man als Favorit gehandelt wurde. Aber der Mensch bewertet nun einmal relativ.

 

Knapp daneben ist auch daneben

Und die Holländer? Gab es da nicht Stimmen, man wolle das Spiel um den dritten Platz abschaffen? Dabei kann ich mir vorstellen, dass sich die Niederländer am Ende über einen dritten Platz bei diesem Turnier mehr gefreut haben als über das verloren gegangene Finale bei der Weltmeisterschaft in Südafrika 2010. Obgleich es doch damals im Endspiel ganz knapp zuging. Man hatte nur mit 0:1 gegen Spanien verloren und das auch erst nach Verlängerung. So wie Argentinien gestern gegen Deutschland. Aber als Zweiter fährt man mit einer Niederlage nach Hause und als Dritter hat man eben ein Spiel gewonnen, obwohl der Einzug ins Finale zuvor verpasst wurde. Was wir am Ende in Erinnerung behalten, ist nach einer geglückten Transaktion an den Finanzmärkten und nach einem schönen Fußballturnier ganz ähnlich: Eben die jeweiligen Höhepunkte und die letzten Erlebnisse, die darüber entscheiden, ob wir so etwas noch einmal erleben oder lieber schnell vergessen möchten.

Aber noch etwas kennen wir bereits von den Olympischen Spielen, bei denen aus psychologischer Sicht eine Bronzemedaille mehr wert sein kann als eine silberne. Denn der Dritte kann sich mit all denen vergleichen, die es nicht aufs Treppchen geschafft haben. Dem Zweiten aber bleibt auch hier die undankbare Rolle des relativen Verlierers: Die Freude, Zweitbester zu sein, wiegt nicht so stark wie das Bedauern, den Sieg verfehlt zu haben. Und so ist das Spiel um den dritten Platz mehr als nur der Kampf um Bronze. Es ist das gute Gefühl, dass es beim Fußballturnier ab dem Halbfinale nicht nur einen Gewinner und drei Verlierer gibt.

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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