Märkte Wirtschaft

Sparer aufgepasst!

von Joachim Goldberg am 11. Juni 2014

Die jüngste Zinssenkung der EZB hat mir ganz deutlich vor Augen geführt, dass herkömmliches Sparen auf dem Sparbuch oder via Tagesgeld keinen Sinn ergibt. Eigentlich müsste man den EZB-Beschluss als ganz klare Aufforderung lesen, hemmungslos zu investieren oder Geld für Konsumzwecke auszugeben. Da ich aber dazu erzogen wurde, für später zu sparen, fällt mir eine derartige Verhaltensweise ziemlich schwer – wie vermutlich vielen anderen Deutschen auch. Konto abräumen, auf die Altersvorsorge verzichten? Aber wer nichts macht, dem frisst die negative Realverzinsung das Geld von alleine weg. Bleibt also als Ausweg nur noch, in riskantere Anlageformen zu wechseln, wenn man sich mehr Rendite wünscht.

Es dürfte aber viele Menschen geben, die gar nicht so viel Geld auf dem Sparkonto haben, als dass sie sich über interessantere Anlageformen überhaupt Gedanken machen müssten. Und wer dann tatsächlich sein Sparbuch abräumt, um sich vielleicht endlich einen langgehegten Wunsch zu erfüllen, lebt immer in der Angst, etwas Unvorhergesehenes könnte womöglich zu einer Überziehung auf dem Girokonto führen. Die gibt es natürlich nicht für ein oder zwei Prozent p. a., sondern oft nur zu zweistelligen Zinssätzen. Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn Zinssenkungen der EZB nicht mehr in der Realwirtschaft ankommen.

Richtig interessant wird es auf der Kreditseite jedoch, wenn man nach Großbritannien geht. Dort ist auch das Verhalten der Konsumenten ein anderes als hierzulande, wie mir ein britischer Freund unlängst erzählte. Schnell mal ein Kredit aufzunehmen ist dort durchaus nicht ehrenrührig, und wer kurzfristig dringend Bargeld braucht, kann sich dieses für eine kurze Zeitspanne von etwa zwei Wochen bis zu einem Monat rasch besorgen, sofern sich, so die Homepage eines britischen Kreditvermittlers, die Beträge zwischen 100 und 1500 englischen Pfund (etwa 124 bis 1.860 EUR) bewegen. So wird einem dann auch gleich ein repräsentatives Beispiel gezeigt. Das sieht recht einfach aus: Man borgt sich 100 Pfund für 30 Tage aus und zahlt „nur“ 125 Pfund zurück. Beträge, die überschaubar aussehen, aber laut Angabe des Anbieters einer Verzinsung von sage und schreibe 326 Prozent p.a. entsprechen. Da soll noch einer über zu hohe Dispo-Zinsen in Deutschland klagen!

Wer sein Geld indes am Aktienmarkt angelegt hat, konnte sich in den vergangenen Wochen aufrichtig freuen, aber ohne Hebel kommt er allerdings nicht auf solche Renditen. Überhaupt zeigt die jüngste Stimmungserhebung der Börse Frankfurt, die ich hier kommentiert habe, dass deutsche Standardwerte hierzulande bei weitem nicht so begehrt waren, wie zuletzt angenommen wurde.

 

SCHLAGWÖRTER

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2 Kommentare
  1. Antworten

    Thomas

    6. Oktober 2014

    Toller Artikel mit ganz wichtigen Informationen. Das wird dem ein oder anderen sicherlich eine sehr große Hilfe sein.

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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