Märkte Wirtschaft

Hässliches Ende einer Blase

von Joachim Goldberg am 30. Mai 2013

Heute scheint wieder Blasentag zu sein. Zu dieser Erkenntnis gelange ich, wenn ich mir den derzeitigen Aufmacher von Spiegel online Die Billionen-Blase betrachte. Danach pumpen sich bei Aktien und Anleihen – aber nur „womöglich“ – gewaltige Spekulationsblasen auf. Denn wenn die Zinsen steigen, drohe der Crash, lese ich. Auch dass die Börsenkurse nicht den Fundamentaldaten gehorchten – das taten sie auch häufig schon vor der Krise nicht – wird vom Verfasser bemängelt. Dann wird die Politik des billigen Geldes der USA und Japans, die „normalerweise“ zu Inflation führen soll, als weiteres Blasenindiz angeführt. Aber von Inflation sei gar nicht so viel zu sehen, wird sogleich wieder relativiert. Wahrscheinlich ist jedoch der Waren- und Güterkorb einfach nicht richtig zusammengesetzt. Aber: im Mai sind Lebensmittel und Lottospielen (das habe selbst ich gemerkt) teurer geworden. Schließlich wird auch noch eine Studie angeführt, wonach eine lockere Geldpolitik die Risikoaversion der Investoren zu verringern scheint und diese deswegen mehr Risiken in Form von Aktieninvestments eingehen. Die Folge: eine Vermögenspreisinflation.

Jetzt könnte ich mich natürlich zurücklehnen und ganz schnell damit beruhigen, es handele sich lediglich um einen dieser reißerischen Artikel, wie man sie im Internet jeden Tag zu lesen bekommen kann. Aber solch prominent platzierte Beiträge werden natürlich von einer breiten Leserschaft wahrgenommen. Und wenn man jene dann so liest, sieht auch noch alles plausibel und einfach aus. Ja, der Leser möchte Finanzmärkte zum Anfassen, hat mir unlängst ein Bekannter gesagt. „Bitte nichts Kompliziertes zum Thema Geld“. Doch diese Einfachheit hat den Preis, dass man recht leicht eine Suppe aus Hausmacherökonomie und viel Spekulativem, gewürzt mit ein, zwei wissenschaftlichen Studien serviert bekommen kann.

 

Trampelt die Herde wieder?

Am Ende bleibt der Anleger mit der Erkenntnis, er werde auf dem Sparkonto keine Zinsen bekommen, und dass sich Anleihen und Aktienkurse, aber auch Immobilien  in einer gefährlichen Blase befinden. Es handele sich um einen herdengetriebenen Boom, dessen Entstehung zwar nicht durch makroökonomische Daten gedeckt und durch die realwirtschaftliche Entwicklung nicht mehr zu begründen sei, wird schließlich Thomas Straubhaar, Direktor des HWWI, zitiert. Das riecht nach irrationalem Verhalten. Dann aber sollten wir zumindest nicht erwarten, dass sich die Blase nach rationalen Gesetzmäßigkeiten und den darauf basierenden Expertenprognosen entladen wird. Tatsächlich weiß niemand so richtig, was eigentlich passieren wird. Eine Unsicherheit, die vor allem Analysten und Experten hassen. Deswegen muss die Blase zwangsläufig „hässlich“ enden.

Von euphorisierten Anlegern, scheint zumindest bei den von der Börse Frankfurt allwöchentlich Befragten institutionellen und privaten Investoren indes nichts zu sehen zu sein. Vielmehr herrscht weiterhin eine gesunde, aber vielfach leider kostspielige Skepsis vor. Also etwas, das nicht so recht zu einem Börsenboom passen will. Die Auswertung der gestrigen Stimmungserhebungen können Sie hier lesen – um die Detailanalyse hat sich mein Kollege Gianni Hirschmüller kümmert.

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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