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Behavioral Finance und Euro-Krise

von Joachim Goldberg am 15. Juni 2012

Wenn man heute früh die Zeitungen durchblättert, sich die Meinung von Analysten und Händlern zu Gemüte führt, gewinnt man ganz leicht den Eindruck, am kommenden Wochenende würde mit den Wahlen in Griechenland für die Eurozone ein Schalter umgelegt. Dabei hat mein Kollege Herman Brodie in unserem heutigen Blog bereits ausgeführt, dass ein Grexit zwar ein binäres Ereignis (ja oder nein) ist, allerdings mit komplexer Wirkung. Und zwar von einer Komplexität, die für die meisten Finanzmarktbeobachter so undurchschaubar sein wird, dass die Griechenland-Thematik schon allein wegen der Komplexitätsaversion vieler Akteure bald in den Hintergrund gedrängt werden wird. Ganz zu schweigen davon, dass – egal welche Regierung in Zukunft über das Schicksal Griechenlands befinden wird – die Probleme die gleichen bleiben werden: In der Hauptsache verfügt das Land über zu geringe Mittel. Überhaupt hat es für mich schon fast etwas Befremdendes, wenn angesichts der Renditen von 7 Prozent für zehnjährige spanische Staatsanleihen das Griechenland-Problem immer noch so stark im Fokus steht. Die Welt hat sich bereits schon weiter gedreht.

Letztlich geht es um ein Politikum, wobei man den Eindruck bekommt, Deutschland bewege sich nur ganz langsam und wolle eigentlich gar nichts von der Position seiner Partner wissen. Und wenn sich unsere Kanzlerin bewegt, dann sei das bestenfalls schrittweise, wie sie es selbst ausdrückte. Dabei ist die deutsche Regierung unlängst doch erst erstaunlich schnell vorangekommen, wenn man bedenkt, mit welcher Geschwindigkeit die Rettung der spanischen Banken am vergangenen Wochenende vorangetrieben wurde.

 

Behavioral Economics erhöht Verhandlungsgeschick

Es scheint also bei der derzeitigen Krise der Eurozone nicht nur um den großen Wurf zu gehen, wie immer wieder gefordert wird. Eine Lösung, die von der deutschen Seite derzeit noch abgelehnt wird. Sei es, dass es um Eurobonds oder eine europäische Einlagensicherung geht. Vielmehr scheint Verhandlungsgeschick gefragt und damit auch der Einsatz der Erkenntnisse der Behavioral Economics/Finance.

 

Einfluss auf Fragen von Ethik und Moral

Ich selbst durfte am Mittwochabend vor dem Länderspiel gegen Holland Gast bei Frank Meyers Metallwoche sein, wo es in einer Diskussionsrunde zum einen um die Verfassung der Finanzmärkte, zum anderen aber auch um die derzeitige Positionierung der Behavioral Economics ging. Im Laufe der Diskussion stellten wir schließlich fest, dass die Ideen der Verhaltensökonomik viel weiter gehen als eine Synthese aus Ökonomie und Psychologie zu bilden. Ihre Erkenntnisse beeinflussen auch die gesellschaftlichen, ethischen, moralischen und philosophischen Fragen der Finanzmärkte, aber letztlich unserer Gesellschaft. Dabei stellten wir immer wieder fest, wie ähnlich sich doch die Verhaltensweisen in den Märkten und in unserem Privatleben sind.

Einen fünfzehnminütigen Audioausschnitt der Diskussion, der sich vornehmlich mit den derzeitigen Entwicklungen an den Märkten beschäftigt, können Sie hier herunterladen.

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Das ganze Gespräch sowie einen Video-Zusammenschnitt finden Sie hier.

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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