von Joachim Goldberg am 22. Juli 2011

„Waaas, mit drei Kindern zwei Wochen nach Venedig? Ist das nicht viel zu lang? Und das im Hochsommer? Ferien in einer Stadt? Ist das denn überhaupt Urlaub?“ Das war der Kommentar nicht nur eines Bekannten, den ich zu hören bekam, als ich mich mit meiner Familie vor ein paar Wochen in  die Sommerpause verabschiedete. Aber ich möchte heute gar nicht über mein Lieblingsthema Neid schreiben. Sicher: Das kulturelle Vormittagsprogramm stellte für den sieben- bis zwölfjährigen Nachwuchs eine gewisse Herausforderung dar. Ansonsten war Venedig im Juni phantastisch, nicht zu heiß, wie unsere besorgten Freunde befürchtet hatten. Und auch ihre Sorge, der faulige Gestank der Lagune könne sich wie ein Pesthauch auf unsere Urlaubsstimmung legen, erwies sich als unbegründetes Vorurteil.

Eigentlich also ein perfekter Aufenthalt, wenn ich mich nicht an einem Tag so fürchterlich aufgeregt hätte. Es war unser erster Besuch bei der Biennale, Venedigs weltberühmter Kunstausstellung. Nicht dass ich mich über die langen Warteschlangen vor den wenigen Kassenhäuschen aufgeregt hätte. Vielmehr wunderte ich mich über die Preisgestaltung der Veranstalter. Nachdem mir die Dame am Ticketschalter klar gemacht hatte, dass heute so etwas wie mein ganz persönlicher Glückstag sei und mir eine Familienkarte zu 40 Euro anbot, war ich eigentlich gut gelaunt, da dies der Preis war, den normalerweise zwei Erwachsene alleine zu berappen gehabt hätten. Doch dann kam die kalte Dusche. Denn die Familienkarte galt nur für Familien mit bis zu zwei Kindern. Ich bedeutete der Kassiererin, dass ich aber drei Sprösslinge hätte. Daraufhin machte sie mir zwar in gebrochenem Englisch, aber dennoch unmissverständlich klar, dass wir leider ein Kind zu viel hätten und deshalb ein Extra-Eintritt von weiteren 12 Euro zu entrichten wäre. Vermutlich hätte sich jeder über diese nicht gerade kinderfreundliche Politik des Veranstalters geärgert. Doch auf meinen  verhaltensökonomisch aufgeklärten Verstand wirkte die nachträgliche Berechnung des dritten Kindes  wie ein separater (vgl. mentale Kontoführung), zusätzlicher Verlust, der den Preisvorteil der Familienkarte nicht nur wegen seiner großfamilienfeindlichen Komponente mental zunichtemachte. Sicherlich hätte ich nichts dagegen gehabt (vermutlich nicht einmal etwas davon gemerkt), wenn die Familienkarte stattdessen etwas teurer gewesen wäre. Dann hätte ich nur einen Verlust wahrgenommen und vor allem nicht dieses blöde Gefühl gehabt, ein Kind zu viel in die Welt gesetzt zu haben.

P.S. „Hello Venice“, das familienfreundliche Wochenticket, das  Besuchern ermäßigten und schnelleren Eintritt in viele Museen, Sehenswürdigkeiten und Kunstsammlungen der Lagunenstadt ermöglicht, wird auf der Biennale natürlich ebenfalls nicht akzeptiert…

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Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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