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Glück auf Schalke!

von Joachim Goldberg am 6. August 2010

„Glück auf!“ Dieser Gruß hat einst die Hoffnung der Bergleute zum Ausdruck gebracht, nicht nur wieder heil nach Hause zu kommen, sondern auch beim Graben nach Kohle und Erzen erfolgreich zu sein. Als wir vor ein paar Wochen an dieser Stelle über so genannte Star-Bonds schrieben, ahnten wir nicht, dass ausgerechnet der Fußballverein Schalke 04 mit einer eigenen Anleihe auf den Markt kommen würde. Schalke*, der Revierverein mit Tradition, der über kein offizielles Rating verfügt, möchte bei seinen Fans zehn Millionen Euro einsammeln. Die Anleihe soll sechs Jahre laufen und das bei einem 5,5-prozentigen Kupon. Die Stückelung ist mit 100 und 500 Euro so gewählt, dass auch Fans mit nicht so dickem Geldbeutel mit von der Partie sein können. Und für die ganz geschichtsbewussten Schalke-Anhänger gibt es – eingedenk des Gründungsjahres des Traditionsvereins – sogar eine Anleihe zum Nennwert von 1.904 Euro.

Ich möchte an dieser Stelle nicht über mögliche Probleme bei der Rückzahlung der Anleihe spekulieren, obwohl der hohe Zins nicht von ungefähr die finanziellen Risiken des Vereins reflektiert. Aber wenn man schon auf das Traditionsbewusstsein der Fans setzt – warum ist man auf Emittentenseite nicht weiter gegangen und hat sich Erkenntnisse der verhaltensorientierten Ökonomie zunutze gemacht? Indem man etwa die Anleihe in Form effektiver Stücke begeben hätte. Ein Bond mit dem Konterfei der Mannschaft samt Autogrammen aller Spieler über dem Bett – ein wahrer Fan würde dieses Stück Papier eher einrahmen und für immer behalten als es bei Fälligkeit zurückzugeben. Auch dürfte es manchem Anhänger schwer fallen, einen Zinskupon, bedruckt mit dem Kopf seines Fußballgottes, tatsächlich einzulösen. Zumindest, solange dieser und sein Verein erfolgreichen Fußball spielen.

 *Schalke war einst ein vom Bergbau geprägter Stadtteil von Gelsenkirchen. Auf dem Gelände der Zeche Consolidation entstand in der 1920er Jahren die berühmte Schalker Glückauf-Kampfbahn.

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit mehr als 30 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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