Wirtschaft

Kleine Boni steigern Leistung

von Joachim Goldberg am 2. Juli 2010

Eigentlich haben die Psychologen schon seit langem vermutet, dass bereits kleinere finanzielle Anreize für die Arbeitsleistung durchaus motivierend wirken können. Und da stellt sich natürlich gerade in einer Zeit, wo die Vergütung der Banker und Führungspersönlichkeiten der freien Wirtschaft von der Öffentlichkeit mit Argusaugen beobachtet wird, angesichts dieser Erkenntnisse automatisch die Frage, ob vor allem hohe Boni ihren Zweck erfüllen. Um diesem Problem unter realistischen Bedingungen auf den Grund gehen zu können, hätten die Psychologen allerdings enorm viel Geld benötigt – ein nicht finanzierbares Unterfangen.

Deswegen kamen einige Forscher* auf die Idee, ihr Experiment einfach an einen Ort zu verlegen, wo die Monatslöhne so gering sind, dass man selbst mit bescheidenen Mitteln im Zweifel mehreren Probanden fast ein halbes Jahreseinkommen bezahlen konnte. Und so gingen die Wissenschaftler in einen ländlichen Teil Indiens, um den Einfluss kleiner (ein Tageslohn), mittlerer (ein Zweiwochenlohn) und sehr hoher Boni (fünf Monatslöhne) auf die Leistung einzelner Probanden zu erforschen. Dabei ging es um Aufgaben, deren Lösung eigentlich auch von Managern erwartet wird. Unter anderem waren Kreativität, Konzentration, Gedächtnisleistung und Problemlösungen gefragt.

Interessanterweise wurden Spitzenleistungen am häufigsten in den Gruppen mit niedrigen und mittleren Bonuszahlungen erreicht, während Extremboni letztlich nicht für ein Mehr an Motivation, sondern häufig für Ablenkung von den eigentlichen Problemen sorgten.

* Dan Ariely, Uri Gneezy, Geoge,Loewenstein, and Nina Mazar, “Large Stakes and  Big Mistakes,” The Review Of Economic Studies 76, vol.2 (2009): 451-469.

SCHLAGWÖRTER

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2 Kommentare
  1. Antworten

    JPatas

    18. September 2012

    Hi,
    bin gerade auf euren Beitrag gestoßen. Sehr interessanter Beitrag. Er ist zwar etwas älter, ich hab aber gerade aus aktuellem Anlass eine ähnlichen Beitrag verfasst. Dort zitiere ich andere Studien, die zum gleichen Ergebnis kommen. Ein Video zeigt diesen Effekt ganz schön. Mein Beitrag ist hier zu finden: http://www.webscience.eu/boni_wissensarbeiter/
    Gruß
    janusch

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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